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BERLIN. Die 2014 eingeführten Hepatitis C Therapien haben trotz anfänglich hoher Preise die finanziellen Grundlagen der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland nicht erschüttert. Das geht aus einer Untersuchung des Berliner IGES Instituts hervor.

Von 24 Milliarden Euro, die sich für die Behandlung von rund 200.000 Hepatitis C Infizierten errechneten, war im Juli 2014 in der Presse die Rede, oder von fünf Milliarden Euro im Jahr, was immerhin einen Anstieg der Beiträge von 0,5 Beitragssatzpunkten erfordert hätte. Der Gemeinsame Bundesausschuss ging von Gesamtkosten von 6,14 Milliarden Euro für mehrere Teilpopulationen von Patienten aus.

Keine der Prognosen hat sich bislang erfüllt. „Man kann sich verschätzen“, sagte IGES Chef Professor Bertram Häussler am Dienstag bei einer vom Verband der forschenden Pharmahersteller ausgerichteten Pressekonferenz. Die Ausgaben für Sofosbuvir Harvoni Co. haben sich ausweislich einer vom IGES vorgenommenen Sonderauswertung des Arzneimittel Atlas 2017 von 2014 bis 2017 auf hochgerechnet 3,145 Milliarden Euro belaufen. „Das Maximum war bereits 2015 überschritten, seither gehen die Jahres Ausgaben der GKV für diese Medikamente zurück“, sagte Häussler. Für 2017 rechnen die IGES Wissenschaftler mit Ausgaben von 594 Millionen Euro für die GKV, nach 717 Millionen im Jahr 2016.

Der Vergleich der beiden letzten Jahre zeigt weitere kostendämpfende Effekte auf. Die neuen Hepatitis C Arzneimittel bewegen sich im Preis, da 2016 und nach einer Schätzung des IGES 2017 etwa gleich viele Patienten behandelt werden, nämlich rund 10.000, von denen zumindest im Jahr 2016 etwa 9000 geheilt wurden. Im Spitzenjahr reichte die Zahl der Behandlungen hart an 16.000 heran, mehr als 13.000 waren im Anschluss virenfrei.

Häussler wies darauf hin, dass die Kosten schon alleine durch die Behandlungskapazitäten begrenzt würden. Die Zahl der Therapien werde sich bei etwa 10.000 einpendeln. Mehr könnten die vorhandenen Leberzentren in Deutschland kaum leisten.

„Manche überzogene Prognose war ein reines Politikinstrument“, sagte vfa Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Wesentliche Faktoren der Preisbildung seien ignoriert worden. Seit 2014 seien immer neue Therapien gegen Hepatitis C auf den Markt gekommen, was zu Wettbewerb und sinkenden Preisen geführt habe. Fischer warnte davor, dass sich der Blick der GKV nun auf die Onkologie richte. Nun werde Stimmung gegen neue Krebsmedikamente gemacht. Die Kassen müssten sich die Frage gefallen lassen, ob es verantwortungsbewusst sei, bei jedem Innovationsschub den Untergang der gesetzlichen Krankenversicherung herauf zu beschwören.

Die Hersteller der neuen Hepatitis C Medikamente hätten seinerzeit die systematische Lücke einer nutzenbasierten Preisfindung ausgenutzt. Diese Lücke bestehe weiterhin, sagte ein Sprecher des AOK Bundesverbands am Dienstag der „rzte Zeitung“.

Der Verband fordert in seinem Positionspapier zur Bundestagswahl daher eine Rückwirkung der verhandelten Erstattungspreise ab dem ersten Tag der Markteinführung. Bislang können Hersteller die Preise für die ersten zwölf Monate frei festlegen.
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